Social Media und Selbstwert

Jugendliche legt das Smartphone beiseite und schaut entspannt aus dem Fenster.

Es ist spät, eigentlich wolltest Du nur kurz aufs Handy schauen. Eine Stunde später scrollst Du immer noch. Perfekte Gesichter, tolle Urlaube, Leute, die alles im Griff zu haben scheinen. Und irgendwann ist da dieses Gefühl: Alle anderen sind besser, schöner, erfolgreicher als Du.

Wenn Dir das bekannt vorkommt, bist Du damit nicht allein. Social Media gehört für die meisten Jugendlichen einfach dazu. Es verbindet, unterhält und inspiriert. Es kann aber auch am Selbstwert nagen, also an dem Gefühl, wie viel Du Dir selbst wert bist.

Warum der Vergleich so weh tun kann

Menschen vergleichen sich schon immer mit anderen. Das ist ganz normal und hilft uns, uns in einer Gruppe zurechtzufinden. Früher waren das die Leute aus der Klasse oder der Nachbarschaft. Heute sind es Hunderte Profile am Tag.

Das Problem: Du vergleichst Deinen ganz normalen Alltag mit den besten Momenten anderer. Niemand postet den verpatzten Test, den Streit zu Hause oder den Pickel am Kinn. Viele Bilder sind bearbeitet, gefiltert oder sorgfältig ausgewählt. Was Du siehst, ist ein Ausschnitt, nicht das ganze Leben.

Likes als Maßstab

Likes, Kommentare und Follower fühlen sich gut an. Das Gehirn reagiert auf solche kleinen Belohnungen und will mehr davon. Deshalb ist es so schwer, das Handy wegzulegen.

Schwierig wird es, wenn Du Deinen Wert davon abhängig machst. Wenige Likes bedeuten nicht, dass Du weniger wert bist. Sie sagen etwas über Algorithmen, Uhrzeiten und Zufälle aus. Über Dich als Mensch sagen sie nichts.

Woran Du merkst, dass es Dir nicht guttut

Social Media ist nicht grundsätzlich schlecht. Es kommt darauf an, wie es Dir damit geht. Achte einmal auf Dich:

  • Fühlst Du Dich nach dem Scrollen öfter schlechter als vorher?
  • Denkst Du viel über Dein Aussehen nach, seit Du bestimmten Accounts folgst?
  • Fällt es Dir schwer, das Handy wegzulegen, obwohl Du eigentlich willst?
  • Leidet Dein Schlaf, weil Du abends lange online bist?

Wenn Du mehrere Fragen mit Ja beantwortest, lohnt es sich, etwas zu verändern. Das heißt nicht, dass Du alles löschen musst.

Was Dir helfen kann

Räum Deinen Feed auf. Du entscheidest, wem Du folgst. Entfolge oder stummschalte Accounts, nach denen Du Dich regelmäßig mies fühlst. Folge lieber Menschen und Themen, die Dich interessieren, zum Lachen bringen oder Dir etwas beibringen.

Werde zur Beobachterin oder zum Beobachter. Frag Dich beim Scrollen ab und zu: Wie geht es mir gerade? Allein das bewusste Hinschauen hilft, aus dem Autopiloten herauszukommen.

Setz Dir kleine Grenzen. Zum Beispiel: kein Handy in der ersten halben Stunde nach dem Aufwachen. Oder das Handy abends außerhalb des Zimmers laden. Kleine Regeln sind leichter durchzuhalten als große Vorsätze.

Stärke Deinen Selbstwert offline. Selbstwert wächst durch Erfahrungen: etwas schaffen, etwas lernen, Zeit mit Menschen verbringen, die Dich mögen, wie Du bist. Überleg Dir, was Dir Freude macht, ganz ohne Kamera. Sport, Musik, Zeichnen, Kochen, Freunde treffen.

Sei freundlich zu Dir. Rede mit Dir so, wie Du mit einer guten Freundin oder einem guten Freund reden würdest. Du würdest ihnen auch nicht sagen, dass sie hässlich oder langweilig sind.

Wenn es mehr wird

Manchmal steckt hinter dem schlechten Gefühl mehr als nur zu viel Bildschirmzeit. Vielleicht bist Du schon länger niedergeschlagen. Vielleicht kreisen Deine Gedanken ständig um Dein Aussehen oder ums Essen, oder Du ziehst Dich immer mehr zurück.

Dann ist es gut, mit jemandem darüber zu sprechen. Das kann eine Vertrauensperson sein, zum Beispiel aus der Familie oder der Schule. Oder Du holst Dir professionelle Unterstützung. In einer Therapie kannst Du in Ruhe herausfinden, was Dich belastet und was Dich stärkt.

Du willst darüber reden?

Du erreichst mich telefonisch unter 03843 8559889. Wenn ich gerade nicht rangehen kann, sprich einfach Deinen Namen und Deine Nummer auf den Anrufbeantworter. Ich melde mich so schnell wie möglich zurück. Oder schreib mir eine kurze Nachricht über das Formular auf der Seite Kontakt.

Ab 15 kannst Du selbst entscheiden, ob Du zu einem ersten Gespräch kommst. Die Kosten für eine Therapie übernimmt in der Regel die Krankenkasse.

Die Texte ersetzen kein persönliches Gespräch. Wenn Du darüber reden möchtest: Ruf an unter 03843 8559889 oder schreib über das Kontaktformular.