„Wie war’s in der Schule?“ „Gut.“ Und schon ist das Gespräch vorbei. Oder es geht in die andere Richtung: Ein kleiner Satz, und plötzlich streitet Ihr über Handyzeiten, Noten, Freunde und das Zimmer. Hinterher sitzt Du in Deinem Zimmer und denkst: Die verstehen mich einfach nicht.
Das kennen sehr viele Jugendliche. Und die meisten Eltern kennen es auch, nur von der anderen Seite. Die gute Nachricht: Wie Ihr miteinander redet, lässt sich verändern. Und Du kannst dazu mehr beitragen, als Du vielleicht denkst.
Warum es gerade jetzt oft knirscht
In der Jugend verändert sich viel. Du wirst selbstständiger, hast eigene Meinungen, eigene Freunde, eigene Pläne. Das ist genau richtig so. Es gehört zum Erwachsenwerden dazu, sich ein Stück von den Eltern zu lösen.
Für Eltern ist das oft nicht leicht. Sie haben jahrelang auf Dich aufgepasst und Entscheidungen für Dich getroffen. Jetzt müssen sie lernen, loszulassen. Das fällt vielen schwer, gerade wenn sie sich Sorgen machen. Hinter Kontrolle oder Nörgeln steckt deshalb häufig nicht Misstrauen, sondern Angst um Dich.
Den richtigen Moment wählen
Wichtige Gespräche laufen besser, wenn beide Seiten Zeit und Ruhe haben. Direkt nach einem langen Arbeitstag, beim hektischen Frühstück oder mitten in einem Streit ist selten ein guter Zeitpunkt.
Du kannst Deinen Eltern ruhig sagen: „Ich möchte mit Euch über etwas reden. Habt Ihr heute Abend Zeit?“ Das zeigt, dass Dir die Sache wichtig ist. Manchmal hilft es auch, nebenbei zu reden, zum Beispiel beim Autofahren, Kochen oder Spazierengehen. Dann fühlt es sich weniger an wie ein Verhör.
Von Dir erzählen statt Vorwürfe machen
Sätze wie „Ihr versteht mich nie“ oder „Immer müsst Ihr Euch einmischen“ führen fast immer zu Streit. Wer sich angegriffen fühlt, verteidigt sich. Und schon hört keiner mehr richtig zu.
Versuch stattdessen, von Dir zu sprechen. Zum Beispiel: „Ich fühle mich eingeengt, wenn Ihr mehrmals am Abend anruft.“ Oder: „Mir ist wichtig, dass ich selbst entscheiden darf, wann ich lerne.“ Solche Ich-Botschaften machen klar, was in Dir vorgeht, ohne den anderen zu beschuldigen.
Zuhören, auch wenn es schwerfällt
Gespräche funktionieren nur in beide Richtungen. Wenn Du möchtest, dass Deine Eltern Dir zuhören, hilft es, auch ihnen zuzuhören. Frag ruhig nach: „Was genau macht Euch Sorgen?“
Du musst ihre Meinung nicht teilen. Aber wenn Du verstehst, was hinter einer Regel steckt, könnt Ihr leichter nach einer Lösung suchen, mit der alle leben können. Vielleicht findet Ihr einen Kompromiss, zum Beispiel eine kurze Nachricht, wenn Du später kommst, statt ständiger Anrufe.
Wenn es doch eskaliert
Streit gehört zu jeder Familie dazu. Wenn Du merkst, dass Du gleich laut wirst oder etwas sagst, das Du bereust, ist es völlig in Ordnung, eine Pause zu machen. Sag zum Beispiel: „Ich brauche gerade kurz Abstand. Lass uns später weiterreden.“
Wichtig ist, dass Ihr später wirklich noch einmal darauf zurückkommt. Mit etwas Abstand sieht vieles anders aus. Und manchmal hilft auch eine Entschuldigung, von welcher Seite auch immer.
Wenn Reden allein nicht reicht
Manchmal sind die Konflikte in einer Familie so festgefahren, dass es allein kaum weitergeht. Vielleicht fühlst Du Dich zu Hause gar nicht mehr wohl. Oder es gibt Themen, über die Du mit Deinen Eltern nicht sprechen kannst.
Dann kann es helfen, sich Unterstützung von außen zu holen. Eine Vertrauensperson, die Schulsozialarbeit oder eine Beratungsstelle kann ein guter erster Schritt sein. Auch in einer Therapie ist Platz für solche Themen. Wenn Du das möchtest, kann ich auch Deine Eltern in Gespräche einbeziehen.
Du willst darüber reden?
Du erreichst mich telefonisch unter 03843 8559889. Wenn ich gerade nicht rangehen kann, sprich einfach Deinen Namen und Deine Nummer auf den Anrufbeantworter. Ich melde mich so schnell wie möglich zurück. Oder schreib mir eine kurze Nachricht über das Formular auf der Seite Kontakt.
Ab 15 kannst Du selbst entscheiden, ob Du zu einem ersten Gespräch kommst. Die Kosten für eine Therapie übernimmt in der Regel die Krankenkasse.
